Ab Juli 2026 soll das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) gelten. Die wichtigste Änderung: Die Mindestquote von 65 Prozent erneuerbarer Energien für Neubau und Bestand entfällt. Gas- und Ölheizungen bleiben erlaubt, ab 2029 mit einer noch nicht definierten „Grüngas“-Quote.
Warum das ein Problem ist
Energie- und Wärmewende sind generationenübergreifende Infrastrukturvorhaben auf Zeitskalen von 20, 30, manchmal 50 Jahren. Unternehmen, die in neue regenerative Wärmesysteme investieren wollen, Energieversorger und Kommunen, die ihre klimaneutrale Wärmeplanung vorantreiben, brauchen verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Wenn diese sich im Takt von Wahlperioden ändern, hemmt das die Investitionen – und damit die klimaneutrale Transformation selbst.
Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz und der Verschiebung des ETS II sind Investitionsentscheidungen in zukünftige, klimaneutrale Wärmesysteme heute mit einer enormen Energiepreisunsicherheit verbunden. Das ist keine abstrakte politische Frage. Das wirkt sich direkt auf konkrete Planungsentscheidungen in unserer Region aus.
Lock-in statt Fortschritt
Wer heute eine Gas- oder Ölheizung einbaut, legt die damit verbundenen Emissionen auf Jahrzehnte fest – entsprechend der üblichen Anlagenlaufzeit. Das zementiert Emissionen in die Zukunft, die wir uns klimapolitisch nicht leisten können. Die Klimaziele von Bund, Ländern und Kommunen sind so nicht erreichbar.
Dabei stehen klimafreundliche Alternativen längst bereit: Die Wärmepumpe gilt in Wissenschaft und Fachwelt als technologisch ausgereifte Lösung für die Wärmeversorgung von Gebäuden aller Baujahre – effizient, erprobt und in der langfristigen Betriebskostenrechnung wirtschaftlich. Eine weitere sinnvolle Option ist die Nutzung industrieller Abwärme über kommunale Wärmenetze und Fernwärme.
Verpasste Wertschöpfung
Fossile Energieträger schaffen keine Wertschöpfung! Sie zementieren Abhängigkeiten von externen Anbietern und Lieferketten. Technologien wie Wärmepumpen oder industrielle Wasserstoffanwendungen bieten dagegen die Chance, Wertschöpfung in der Region zu halten und auszubauen – durch lokale Handwerksbetriebe, Planungsbüros, Technologieanbieter, Stadtwerke und Industrieunternehmen.
Regenerativ erzeugter Wasserstoff und grüne Gase spielen eine wichtige Rolle für die Energie- und Wärmewende – aber nicht für die flächendeckende Wärmeversorgung von Privathaushalten. Wasserstoff zum Heizen ist weder ausreichend verfügbar noch bezahlbar – und wird es absehbar nicht sein. Regenerativ erzeugter Wasserstoff und andere grüne Gase sind teure und knappe Ressourcen, die dort eingesetzt werden sollten, wo eine Elektrifizierung technisch und wirtschaftlich nicht möglich ist, beispielsweise innerhalb von Hochtemperaturprozessen oder der Chemieindustrie. Die noch undefinierten Grüngas-Quoten ab 2029 lassen zudem offen, wie hoch diese sein werden und woher die nötigen Mengen kommen sollen. Das ist keine belastbare Grundlage für Investitionsentscheidungen.
Was das Gebäudemodernisierungsgesetz für die kommunale Wärmeplanung in Südbaden bedeutet
Das Gebäudemodernisierungsgesetz ist bisher nicht mit den Fristen und Anforderungen der kommunalen Wärmeplanung verzahnt. Dabei haben viele Kommunen in unserer Region diese Planungen bereits erarbeitet. Einige haben mit dem Bau von Wärmenetzen bereits begonnen. Wenn von der Bundespolitik gleichzeitig signalisiert wird, dass öl- und gasbasierte Heizsysteme weiterhin eine Option bleiben, konterkariert das den Aufbau von Wärmenetzen und Fernwärmeinfrastruktur.
Für eine funktionierende Wärmewende müssen alle Akteure: Gesetzgeber, Kommunen, Energieversorger, Netzbetreiber und Unternehmen – an einem Strang ziehen. Das GMG erschwert genau das. Gasnetz und Fernwärme können langfristig nicht nebeneinander wirtschaftlich betrieben werden – ein paralleler Aufbau bindet Kapital und verlangsamt die Transformation.
Was wir fordern
- Konstante politische Rahmenbedingungen, die Investitionssicherheit in eine dekarbonisierte Wärmeversorgung bieten und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern schnellstmöglich beenden.
- Regenerativ erzeugten Wasserstoff und grüne Gase ausschließlich dort einzusetzen, wo sie technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind, beispielsweise als Grundstoff für die Chemieindustrie oder in Hochtemperatur-Prozessen – und nicht als flächendeckende Lösung für den Gebäudesektor.
- Praxistaugliche, klimafreundliche Lösungen, die heute bereits funktionieren und wirtschaftlich rentieren, wie die Wärmepumpe, stärken – und die dafür benötigten erneuerbaren Energien, Netze und Speicher ausbauen.
Die klimaneutrale Transformation passiert lokal
Das sind keine Versprechen. Das sind Fakten aus unserer Region:
Unser Mitglied ASF (Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg) hat als erste Kommune in Deutschland ihre Müllabfuhr fast vollständig auf Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge umgestellt – 22 Lkw, eine eigene Tankstelle am Eichelbuck, ab 2026 mit grünem Wasserstoff aus Solarstrom.
Die Frischebrüder GmbH aus Freiburg hat ihren neuen Standort konsequent nachhaltig gestaltet: PV-Anlagen decken rund 60 Prozent des Strombedarfs, Elektromobilität ist fester Bestandteil der Logistik. Im Rahmen des RegioWIN-Leuchtturmprojekts Zukunft.Raum.Schwarzwald haben sie ihre CO2-Bilanz auf Produktebene erfasst und weitere Optimierungspotenziale identifiziert.
Thieme GmbH & Co. KG in Teningen hat auf Basis eines KEFF+Checks umfassende Maßnahmen umgesetzt – von Wärmeerzeugung über Druckluft bis zur Ressourceneffizienz. Ergebnis: 1.200 MWh Einsparung pro Jahr, 2. Platz beim Gipfelstürmer-Award 2025.
Als Netzwerk von über 130 Organisationen aus Wirtschaft, Kommunen und Forschung begleiten wir seit unserer Gründung 2010 über 1.000 Unternehmen bei der Steigerung ihrer Energie- und Ressourceneffizienz und unterstützen unsere Kommunen bei der Umsetzung ihrer Klimaschutzstrategien. Verlässliche Rahmenbedingungen sind dafür keine Kür – sie sind Grundvoraussetzung für die klimaneutrale Transformation und eine wettbewerbsfähige Region.
Über die Klimapartner Südbaden
Die Klimapartner Südbaden sind das größte Transformationsnetzwerk der Region. Mit über 130 Organisationen aus Wirtschaft, Kommunen und Forschung initiieren und ermöglichen sie Projekte, gewinnen Fördermittel für die Region und verschaffen dem Wirtschaftsstandort Südbaden im Bereich Energie und Klimaschutz politisches Gehör. Seit der Gründung 2010 wurden über 20 Projekte koordiniert und mehr als 50 Millionen Euro Fördermittel für die Region gewonnen. Mit Regierungspräsident Carsten Gabbert als Vereinspräsident und Umweltministerin Thekla Walker als Schirmherrin reicht die politische Verankerung von Freiburg bis Stuttgart.


