Viele Unternehmen erfassen bereits Betriebsdaten, nutzen das darin liegende Potenzial für effizientere Prozesse, geringeren Ressourceneinsatz und weniger Ausschuss jedoch noch nicht konsequent. Genau hier setzte die Online-Veranstaltung „Digitaler Zwilling – Daten verstehen, Ressourcen schonen“ unseres KEFF+Teams an.
Am 27. April 2026 informierten sich Entscheider*innen aus dem produzierenden Gewerbe, darüber, wie Digitale Zwillinge in der Praxis eingesetzt werden können und warum der Einstieg nicht zwangsläufig ein großes IT-Projekt sein muss.
Vom Digital Shadow zum Digital Twin
Prof. Dr.-Ing. Tim Jansen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart, Campus Horb, und dem Steinbeis-Transferzentrum Digital Workspace erläuterte zu Beginn die Grundlagen. Dabei wurde insbesondere der Unterschied zwischen einem Digital Shadow und einem Digital Twin herausgearbeitet: Während ein Digital Shadow reale Daten digital abbildet, ermöglicht ein Digitaler Zwilling die aktive Verknüpfung realer Betriebsdaten mit virtuellen Modellen, um Prozesse zu analysieren, zu simulieren und gezielt zu verbessern.
Deutlich wurde dabei: Digitale Zwillinge können in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden – von der Produktionsplanung über Materialflüsse und Energieverbräuche bis hin zu Instandhaltung, Ausschussreduktion und ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung.
Praxisnahe Einblicke in „USD“ und konkrete Use Cases
Im Anschluss zeigte Michael Wagner, CEO der SyncTwin GmbH, anhand praxisnaher Beispiele, wie Digitale Zwillinge im industriellen Umfeld umgesetzt werden können. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem USD, kurz für Universal Scene Description. Dabei handelt es sich um ein offenes Datenformat, beziehungsweise Framework, mit dem komplexe 3D-Szenen, Modelle, Metadaten und verschiedene Planungsebenen strukturiert miteinander verknüpft werden können.
Anhand verschiedener Use Cases wurde deutlich, wie bestehende Datenquellen aus Planung, Produktion, Logistik und Betrieb in einem gemeinsamen virtuellen Modell zusammengeführt werden können. Die Präsentation zeigte unter anderem virtuelle Fabriktouren, kollaborative Planungsumgebungen sowie Anwendungen für Layoutplanung, Materialfluss, Ergonomie, Prozesssimulation und Betriebsoptimierung.
Besonders anschaulich wurde, dass Digitale Zwillinge Unternehmen dabei unterstützen können, Varianten frühzeitig zu testen, Fehlerquellen sichtbar zu machen und Optimierungen virtuell zu bewerten, bevor kostenintensive Anpassungen in der Realität erfolgen. Damit können sie einen wichtigen Beitrag leisten, um Energieverbrauch, Materialeinsatz, Ausschuss und Planungsaufwand zu reduzieren.
Rege Diskussion und großes Interesse
Die anschließende Diskussion zeigte, dass das Thema bei den teilnehmenden Unternehmen auf großes Interesse stößt. Auch über das offizielle Veranstaltungsende hinaus wurden Fragen gestellt und Anwendungsfälle diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass viele Unternehmen bereits über Daten verfügen, aber häufig noch vor der Frage stehen, wie daraus konkrete Effizienzpotenziale abgeleitet werden können.
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist deshalb wichtig: Der Einstieg in Digitale Zwillinge muss nicht zwingend mit einem komplexen Großprojekt beginnen. Oft reichen vorhandene Daten, erste Modelle und klar abgegrenzte Fragestellungen aus, um konkrete Verbesserungen sichtbar zu machen.




Bürgermeister Fabian Nitz